Nominalstil

Was ist der Nominalstil?

Man unterscheidet zwischen Verbal- und Nominalstil. Dabei assoziiert sich dieser Begriff vom Verb (➵ Verbalstil) sowie vom Nomen (➵ Nominalstil).


spielen ➵ das Spiel / der Spieler etc.

schlafen ➵ das Schlafen, der Schlaf

regnen ➵ der Regen

produzieren ➵ das Produkt / die Produktion / der Produzent / die Produzentin etc.

 

Leider bringen diese Ableitungen des Wortes Verbalstil eine gewisse Willkür mit sich, denn auch Adjektive können nominalisiert werden:

 

verliebt ➵ die Verliebtheit

arm ➵ die Armut

schön ➵ die Schönheit

 

Wozu Nominalstil?

Der Nominalstil dient zur Formulierung von Fakten. Er wirkt objektiver und sachlicher, der Verbalstil hingegen ist handlungsorientiert. Offizielle Dokumente und Schreiben, gerade von Behörden, werden meist im Nominalstil verfasst, um formell und distanztiert zu bleiben. Romane, Erzählungen oder Krimis beispielsweise im Verbalstil, um das Interesse des Lesers zu wecken.

Elemente des Nominalstils

  1. Nominalisierung (Adjektive und Verben werden zu Nomen)
  2. vermehrt Genitiv, sowohl nach Präpositionen (infolge des hohen Verkehrsaufkommens) als auch attributiv (die Ursache des hohen Verkehrsaufkommens)
  3. vermehrt Nomen-Verb-Verbindungen (statt "er drückt sein Mitleid aus" ➵ "er bringt sein Mitleid zum Ausdruck")

Nominalstil-Probleme

schlechtes Beispiel
schlechtes Beispiel

Der Nominalstil ist dort angebracht, wo Objektivität gefordert ist, oder, als ein rhetorischer Effekt, um kompetent zu wirken. Ärzte, Juristen und Behörden formulieren oft simple Inhalte nominal, um Fachkompetenz auszustrahlen.

 

"Die Einreichung Ihrer Antwort hat binnen einer Frist von vierzehn Tagen zu erfolgen."  ➵ statt "Bitte antworten Sie uns in den nächsten 14 Tagen."

 

Möchte man etwas schnell und sicher kommunizieren, empfiehlt es sich, kurz, klar und einfach zu formulieren. Und damit auch den Verbalstil zu nutzen.

Beispiel: "Bitte rufen Sie uns an, wenn Sie fragen haben" ➵ statt "Bei Fragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung."

der Nominalstil in einem C1-Deutschkurs

Leider wird der Nominalstil in einem C1-Deutschkurs oft etwas fetischisiert und den Studierenden eine Ausdrucksform nahegebracht, die man zwar beherrschen und verstehen sollte, die jedoch vielerorts längst passé sind.

Selbst der Duden beruft sich auf das Hamburger Verständlichkeitskonzept, das folgende Grundsätze vorschlägt:

- Einfachheit

- Gliederung (= Struktur)

- Prägnanz (= Klarheit

- Anregung (= Anreiz, Motivation)


Empfehlung

Auch in einem Deutschkurs empfiehlt es sich, beim Schreiben sowohl Verbal- als auch Nominalstil zu trainieren. Auch ab der Stufe C1 und höher. Man sollte beide Stile dominieren können, um sich stilistisch dem Schreib-Anlass anpassen zu können und so sein kommunikatives Ziel besser erreichen.

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